• dkw. Kunstmuseum
    Dieselkraftwerk Cottbus
    Uferstraße/Am Amtsteich 15
    03046 Cottbus
    Tel. +49(0)355 494940 40

    www.museum-dkw.de
    info@museum-dkw.de

  • Dienstag - Sonntag
    10.00 - 18.00 Uhr
    Montag geschlossen


VORSCHAU 2016

Aus Anlass der aktuellen globalen politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse und Debatten hat das dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus eine kurzfristige Programmänderung vorgenommen und zeigt zwei Ausstellungen und eine Projektpräsentation zum Thema Krieg und seine Folgen.
Die vom dkw. konzipierten und organisierten Ausstellungen werden ebenso wie die Projektpräsentation im Sommer 2017 in der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau gezeigt.

Los desastres de la guerra / Francisco de Goya
8.10.2016 - 1.1.2017 / Eröffnung 7.10.2016, 19.00 Uhr


Der aus 82 Radierungen bestehende Zyklus "Los desastres de la guerra" von Francisco de Goya entstand in den Jahren 1810 - 1814 unter dem Titel "Fatales consequencias de la sangriente guerra en Espana con Buonaparte" (Verhängnisvolle Folgen von Spaniens blutigem Krieg gegen Bonaparte).
Als Goya 1823/24 nach Bordeaux emigrierte, blieben die Druckplatten des Werks in Spanien. Jenseits der von Goya selbst als Probedruck gefertigten Mappe wurden die "Desastres" erst 35 Jahre nach seinem Tod, also im Jahr 1863, erstmalig veröffentlicht. Die Auflage belief sich auf sechs Exemplare der vollständigen Mappe.

Mit den 80 Motiven schuf Goya Bilder, die von Krieg als einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit aller Beteiligten zeugen und die dessen Gräuel ebenso anklagen, wie sie sich gegen die Fremdherrschaft aussprechen.
Francisco de Goya, Erster Maler des spanischen Hofes, war einerseits dem herrschenden Machtgefüge zugehörig, andererseits Maler des Volkes, spanischer Patriot und zugleich Träger der französischen (Revolutions-)Ideen. Goyas über die Kunst formulierte Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen seiner Zeit durchziehen das gesamte Œuvre des Künstlers, werden aber im Verlauf seines Schaffens inhaltlich zunehmend vehementer und im Hinblick auf die Bildsprache drastischer. Dies zeigt sich insbesondere in seinen Grafikzyklen. Während die "Caprichos" (1797-1799) eine erste Bilanz der Auseinandersetzung mit der Spätphase der höfischen Kultur in Madrid sind, sind die "Desastres" zu einem Plädoyer geraten, welches Karl Marx als eine eindeutige Positionierung wertet: "Imperialismus und Emanzipation der Völker sind unvereinbar." (K. Marx: Das revolutionäre Spanien. In: MEW, Bd. 10, Berlin 1982, S. 431)

Der Zyklus "Los desastres de la guerra" ist eine Leihgabe der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau.


Keiner hat uns gesagt, ihr geht in die Hölle.
Fotografien und Grafiken aus Dresden und Kobane. Robin Hinsch, Richard Peter sen. und Wilhelm Rudolph
8.10.2016 - 1.1.2017 / Eröffnung 7.10.2016, 19.00 Uhr


Die Ausstellung, deren Titel ein Zitat aus Wolfgang Borcherts Theaterstück "Draußen vor der Tür" ist, verknüpft Auszüge aus der 1947 entstandenen Fotoserie "Dresden - Eine Kamera klagt an" von Richard Peter sen. mit Handzeichnungen und Druckgrafiken von Wilhelm Rudolph, die aus derselben Zeit stammen und ebenfalls auf die zerstörte Nachkriegsstadt verweisen sowie mit einer Auswahl von Fotografien aus der Serie "Kobane" von Robin Hinsch. Jene Bilder wurden 2015, ein Jahr nach dem Angriff durch die Terrormiliz IS in der nordsyrischen Stadt Kobane aufgenommen.
Alle drei Bilderreihen zeugen von einem künstlerischen Blick auf weitgehend menschleere, durch Krieg zerstörte, ehemals städtische Lebensräume, die als solche dysfunktional geworden sind. Festgehalten wurden jene Nullstunden, deren Auflösung und Perspektive im Moment der Bildentstehung im Ungewissen sind. Formal konsequent sind die Motive aller Bilder geradezu im Nichts angesiedelt und werden förmlich ortlos und nicht mehr verortbar. Die von Robin Hinsch fotografierten urbanen Ruinen lösen sich in im gleichförmig gleißenden Weiß eines undefinierten Hintergrundes auf. Wilhelm Rudolphs Zeichnungen und Druckgrafiken setzen die Ansichten zerstörter Straßenzüge ebenfalls hintergrundslos im Nahblick auf das Blatt. Die Fotografien von Richard Peter sen. offenbaren beizeiten einen Blick in die Ferne. Doch ist auch hier nicht der Horizont im Fokus, sondern die Horizontlinie, die durch die Ruinenlandschaft gekennzeichnet wird.

Die Exponate der Ausstellung "Keiner hat uns gesagt, ihr geht in die Hölle" stammen aus dem Sammlungsbestand des dkw.


Rechtsruck. Eine fotografische Dokumentation aus den frühen 1990er Jahren Ludwig Rauch
Mit einem Text von Michael Freitag, gelesen von Heidrun Bartholomäus
8.10.2016 - 1.1.2017 / Eröffnung 7.10.2016, 19.00 Uhr


Die Serie "Neonazis in Deutschland" von Ludwig Rauch, fotografiert in den Jahren 1991 - 1993, wird zusammen mit einem von Heide Bartholomäus eingesprochenen Text des Kunsthistorikers Michael Freitag als Diaprojektion präsentiert. Die in allen Teilen Deutschlands aufgenommenen Bilder zeigen Menschen, die sich eindeutig erkennbar als Neonazis positionieren, aber auch solche, die nicht auf den ersten Blick identifizierbar einem rechten politischen Spektrum zuzuordnen sind. Mehr als 20 Jahre sind seit dem Entstehen jener Serie vergangen. Zwischenzeitlich hat sich nicht nur die gesellschaftspolitische Weltlage neuerlich verschoben, sondern auch das Parteiengefüge Europas massiv verändert. Nicht nur in Deutschland hat in den vergangenen Jahren der Zuzug von Geflüchteten die Unsicherheit der Mehrheitsgesellschaft zu einem erneuten Aufkeimen nationalistischer und rassistischer Ideen geführt. Jene Tendenz, die heute vielfach als neues Phänomen verhandelt und mediatisiert wird, zeichnete sich bereits in den frühen 1990er Jahren ab. Doch während sich damals Menschen am rechten politischen Rand in ihrem Selbstverständnis und ihrer ikonografischen Selbstinszenierung an ihren Vorbilder der Nazizeit ausrichteten, ist der rechte Diskurs heute in der Mitte unserer Gesellschaft angelangt und dort gedanklich sowie sprachlich als faschistoide Latenz salonfähig geworden. Diese ist zwar nicht zwangsläufig mit einer gefestigten faschistischen Ideologie zu verwechseln, doch die realpolitische Trennlinie ist hauchdünn.
Die fotografische Dokumentation von Ludwig Rauch erinnert an die ersten sichtbaren, deutschlandweiten Anzeichen des Rechtsrucks nach dem Fall der Mauer.


Rudi Meisel. Landsleute 1977 - 1987. Zwei Deutschlands
26.11.2016 - 15.1.2017



 

Änderungen und Ergänzungen bleiben vorbehalten. Stand 29.08.2016.



  • Aktuelle Ausstellungen


  • Die Sammlung


  • Das Dieselkraftwerk

  Kontakt | Impressum | © 2016