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AKTUELLES

Experimente: zwischen Figur und Abstraktion
Portraits, Stillleben und Landschaften
Marta Hoepffner, Irm Schoffers
13.04. - 16.06.2013

"Die Fotografie als Darstellungskunst ist nicht eine einfache Naturkopie." Mit diesen Worten von Moholy-Nagy, dem Pionier der experimentellen Fotografie, lässt sich das künstlerische Anliegen der 1912 geborenen Marta Hoepffner (gest. 2000) in treffender Weise beschreiben. Marta Hoepffner hat mit ihren Arbeiten einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der bildschöpferischen Fotokunst geleistet. Bekanntheit erlangt die "grande dame" der experimentellen Fotografie vor allem durch ihre während der nationalsozialistischen Diktatur entstandenen Solarisationen, Relieffotografien und Negativbilder, durch ihre nach dem Krieg geschaffenen kameralosen Fotografien und abstrakten Arbeiten sowie durch ihre seit Mitte der 1960er Jahre konzipierten, die Grenzen der Fotografie überschreitenden, variochromatischen Lichtobjekte. Marta Hoepffner bewegte sich mit ihrer Arbeit zwischen der getreuen Wiedergabe von Realität und der Schaffung von artifiziellen Wirklichkeiten.

Marta Hoepffner
Porträt mit Cocktailglas 1931
Spritztechnik
Museum Lände, Kressbronn a.B.
Foto: Marlies Kross
© Museum Lände, Kressbronn a.B., 2012
Marta Hoepffner
Porträt mit Cocktailglas 1931
Spritztechnik
Museum Lände, Kressbronn a.B.
© Museum Lände, Kressbronn a.B., 2012
Irm Schoffers (1927-2008) Arbeit ist eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem fotografischen Experiment, ihr eigentliches Versuchsfeld ist die Dunkelkammer. Ausgangspunkt ihrer unablässigen Suche nach neuen Ausdrucksformen sind vorhandene, realitätsnahe Fotografien mit durchaus profanen Motiven, die sie weiterentwickelt oder umgestaltet. Die diffizile grafische Verfremdung demonstriert die in der Materialität des Mediums liegenden Ausdrucksweisen (Überblendung, Solarisation, Umkopierung, Relieftechnik) auf vielfältige Art. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln, wie Spiegelungen, schafft sie gegenstandslos wirkende räumliche Strukturen, die traditionelle Sehgewohnheiten irritieren. Vor allem mit ihren auf direktem Wege, d.h. ohne Einsatz der Kamera, belichteten Alltagsgegenständen erzeugt sie visuelle Innovationen. An die Grenzen der Fotografie stoßen ihre polarisierten kristallinen Farbfotogramme, deren Oberflächenformationen an mikroskopische Vergrößerungen erinnern.

Irm Schoffers
Zentrale Phase II. 1976
Fotogramm
Museum Lände, Kressbronn a.B.
Foto: Marlies Kross
© Museum Lände, Kressbronn a.B., 2012
Irm Schoffers
Zentrale Phase II. 1976
Fotogramm
Museum Lände, Kressbronn a.B.
Foto: Marlies Kross
© Museum Lände, Kressbronn a.B., 2012

Die Ausstellung im Kunstmuseum Dieselkraftwerk zielt darauf ab, spezifische Werkgruppen der beiden beruflich und privat fast 50 Jahre lang engstens miteinander verbundenen Künstlerinnen zu zeigen. Im Fokus steht hierbei der experimentelle fotografische Blick, der Landschaften sowie andere klassische Sujets der Malerei (Portraits und Stillleben) reflektiert. Die ausgewählten Werke stammen in weiten Teilen aus einer bislang (und wohl auch künftig) unzugänglichen Privatsammlung.


Von der Secession in die Moderne
Aus Privatsammlungen und der Sammlung des dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus
Eduard Bargheer, Peter August Böckstiegel, Theo von Brockhusen, Hans Christiansen, Franz Heckendorf, Wilhelm Kohlhoff, Paul Kother, Bruno Krauskopf, Paul Kuhfuss, Hans Meyboden, Kurt Scheele, Heinrich Vogeler und andere
12.05. - 18.08.2013

Paul Kother
Clown. o.J.
Öl auf Leinwand
Privatsammlung
© VG Bild-Kunst Bonn, 2013
Paul Kother
Clown. o.J.
Öl auf Leinwand
Privatsammlung
© VG Bild-Kunst Bonn, 2013
Mit umfangreichen Leihgaben aus deutschen Privatsammlungen und Werken aus der Sammlung des Kunstmuseum Dieselkraftwerk spannt die Ausstellung "Von der Secession in die Moderne" einen faszinierenden Bogen von Jugendstil und Secession bis zu Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Sie versammelt einige der Hauptvertreter einer figurativ-gegenständlichen Kunst, die neben den Protagonisten des Expressionismus und der aufkommenden Abstraktion zu den gefragtesten und erfolgreichsten Künstlern ihrer Zeit in Deutschland gehörten. Als Mitglieder der Berliner, Münchner oder Dresdner Secessionen waren die meisten dieser Maler, Grafiker und Bildhauer unmittelbar an der Entwicklung der Moderne in Deutschland beteiligt bzw. haben in den Jahren zwischen 1900 und 1930 zukunftsweisende Ausstellungen mit ihren Werken geprägt.
Zahlreiche der Künstlerbiographien nahmen ihre Anfänge in der Boheme von München, Berlin und Dresden, den drei führenden deutschen Kunstzentren in der Zeit zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik. Prägend waren die dortigen Akademien mit namhaften Lehrern, wie z.B. Carl Bantzer, Franz von Stuck oder Oskar Kokoschka. Ebenso wichtig war für ein Gros der jungen deutschen Künstlerinnen und Künstler aber auch die Lehre an den Kunstgewerbeschulen in Hamburg, Berlin und Königsberg, in denen nicht wenige auch ohne eine akademische Zulassung ihre zeitgemäße künstlerische Ausbildung erfuhren. Wieder andere zog es ins Zentrum der modernen Kunst nach Paris, um an der dortigen privaten Académie Julien zu studieren.
In verschiedenen Gruppen und Zusammenschlüssen organisierten sich in den Jahrzehnten um 1900 die progressiven Kräfte dieser jungen Künstlergeneration und opponierten gegen akademische Erstarrung und künstlerische Konvention. Sie schlossen sich zu Secessionen zusammen, sie arbeiteten politisch, wie z.B. die Berliner Novembergruppe, oder widmeten sich, wie der sog. Klein-Kurener-Kreis in Nidden, ausschließlich der Plenair-Malerei. Die Erfahrungen des 1. Weltkriegs führten nach Jahren der Euphorie und des Erfolgs vielfach zu Ernüchterung und nicht selten zu einer deutlichen Veränderung der künstlerischen Arbeit. Einschneidende Kriegserlebnisse schlagen sich - wie z.B. bei Paul Kother und Heinrich Vogeler - in einer insgesamt veränderten Blickperspektive auf das gesellschaftliche Leben der 1920er Jahre nieder. Einige der ausgestellten Bilder zeugen überdies von einer ausgesprochenen Sehnsucht nach anderen Ländern und neuen Inspirationsquellen. Wieder einmal wird Italien zum bevorzugten Reiseziel der Künstlerinnen und Künstler, geraten südliche Landschaften - wie bei Theo von Brockhusen, Wilhelm Kohlhoff oder Bruno Krauskopf - zum Gegenentwurf sozialer Verhältnisse in Deutschland.
Der Nationalsozialismus stellte für die meisten eine deutliche Zäsur dar. Aufgrund ihrer expressiven Kunst und politischen Freigeistigkeit sowie der behandelten Themen wurden viele mit Arbeits- und Ausstellungsverboten belegt und als "entartet" verfemt. Einige überlebten die Zeit der Schreckensherrschaft nur mühsam mit Gelegenheitsaufträgen, andere wurden umgehend zum Kriegsdienst eingezogen oder gingen wie Heinrich Vogeler oder Bruno Krauskopf ins Exil. Wichtige Sammler- und Käuferkreise brachen weg, da die großenteils jüdischen Förderer und Auftraggeber emigrierten oder ermordet wurden. Ganze Lebenswerke und Ateliers fielen überdies den Kriegshandlungen in den Städten zum Opfer.
Nur wenige der Künstler fanden nach dem Ende des 2. Weltkriegs in ein normales Leben zurück. Sie lebten weitgehend isoliert und zurückgezogen in beiden Teilen Deutschlands. An die Erfolge vor der NS-Zeit konnte wegen vollkommen veränderter Bedingungen auf dem Kunstmarkt kaum einer von ihnen anknüpfen, ein großer Teil dieser sog. "Verschollenen Generation" fiel dem Vergessen anheim.
Erst in den 1990er Jahren wurden einige der vertretenen Künstler und ihre Arbeiten wieder entdeckt und erfahren seitdem zunehmende wissenschaftliche Aufarbeitung und steigende Wertschätzung beim Publikum und in Sammlerkreisen.

Paul Cassel
Constantin mit Taschentuch. 1932
Öl auf Leinwand
Foto: Marlies Kross
© VG Bild-Kunst Bonn, 2013
Paul Cassel
Constantin mit Taschentuch. 1932
Öl auf Leinwand
Foto: Marlies Kross
© VG Bild-Kunst Bonn, 2013


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